Martina Pirker
Guerinos Nacht ohne Ende
Der Kärntner Künstler Armin Guerino stellt in der Galerie Gmünd seineWerke aus Senegal, aus.


GMÜND. Ein kleines Reisegepäck mit wenigen Farben begleitete den Maler Armin Guerino auf seiner Fahrt nach Dakar in Senegal. Das Motto der Bilder, die dort entstanden: „La nuit sans fin“ – Die Nacht ohne Ende. Die Untertitel der Bilder handeln von Schlaflosigkeit, Magie, Tod, Träumen und dem Nicht-mehr-weiter-Wissen.
Laut Gabriele Ruff sind sein Terrain die Polaritäten der
menschlichen Existenz, wie Leben-Tod, Hitze-Kälte; Unmittelbarkeit-Dauer, Erlösung-Erkenntnis oder Ordnung-Chaos.
Kärntner Woche, 18-24. September 2002

Galerie Gerersdorfer
Geheime ägyptische Pfade für Lebende und Verstorbene

Der Kämtner Künstler Armin Guerino stellt in Wien gemalte Meditationen über ägyptische Symbole aus. Eine aufregende Auseinandersetzung mit jahrtausendealten Mythen des Nil-Landes.

WIEN. Als der General Bonaparte im Dienste der Pariser Regierung 1798 seine militärische Expedition nach Ägypten unternahm, führte er einen umfangreichen Troß von Wissenschaftern mit; schließlich hatte er keinen Quadratmeter Boden für Frankreich erwerben können, dafür aber hat er für Europas Esoterik das Alte Ägypten erobert. Die Begegnung mit der rätselhaftesten Zivilisation der Antike zeigt ihre psychologische Wirkung bis heute. Ägypten verfallen ist auch der Kärntner Künstler Armin Guerino, der bis zum 18. November in der Galerie Gerersdorfer in Wien seine "ägyptischen" Mischtechniken zeigt.

Wissen, was uns blüht
Was fasziniert uns heute noch an Ägypten? Wohl der Umstand, dass sie ihre Lebensinteressen gleichermaßen im Diesseits wie im Jenseits ansiedelten, mit einer offensichtlichen Vorliebe fürs Jenseits. Viertausend Jahre lang wollten sie vor allem wissen, was uns allen posthum blüht. Armin Guerino lässt sich als Mensch von hier und heute auf die mit psychischer Energie hoch aufgeladenen Archetypen und Symbole ein, die einem bei Lektüre des "Totenbuches" begegnen.
Und siehe da, die alten mystischen Techniken funktionieren in verwandelter Gestalt weiter. Und sie ergeben, ohne je historisierend zu erscheinen, Bilder von bestürzender Ästhetik und suggestiver Wucht.

Bertram Karl Steiner
KärntnerTageszeitung 24. Oktober 2000

BILDGENERATOREN
Armin Guerino, Galerie Sikoronja, Rosegg
2. Bis 29. November

von Bernd Czechner

Er legt seinem Kunstverständnis zugrunde, „daß ein Bild nicht eine Darstellung ist, sondern ein reales Objekt, ein Gegenstand mit Eigenleben - ein gelungenes Bild ist ein Generator, der von sich aus weiter wirkt und lebt". Armin Guerinos eher platte Erkenntnis trifft aber genau dieses Geheimnis der dauernden Wirkung von bildender Kunst, und seine neuesten Arbeiten entsprechen dem Anspruch ihres Schöpfers in hohem Maße.
Daß er nie nach der Natur malt, ist diesen Arbeiten - wie den früheren auch - mühelos anzusehen. Daß er neuerdings „spontaner, frei von der Leber weg" arbeitet, seine Bilder nicht mehr durchkonstruiert, um dann erst zu malen, weniger.
Es ist wohl nach wie vor nicht die Leber, von der weg „seine Bilder" stammen, es sind Kopfbilder in zweifacher Bedeutung. Zustandssschilderungen menschlicher Existenznöte, die sich meist in Kopfbildern äußern, einerseits, andererseits aber Kopfgeburten eines intellektuellen Malers, der eben durch die Unausschaltbarkeit seiner eigenen Denkmaschine als bildender Künstler nur bedingt frei sein kann. Noch immer gehen von seinen Kreaturen „stumme Schreie" aus, doch die Köpfe sind figuraler geworden. Die sie umgebenden, bedrängenden Räume sind nach wie konstruiert und wirken eben deshalb so drastisch.

Kleine Zeitung, 11. 11. 1997

EIN KREUZWEG MIT HAKEN
Ein "Gespräch über das Schweigen" bietet Armin Guerino an.
von Bernd Czechner

Wo "Kopf" unter seinen Bildern steht, ließ er Gesichter entstehen, "das schöne Zimmer" stellt sich als Korrekturzelle heraus, untertitelt er seine Werke mit "Dialog", beherrschen Entsetzen und Agonie die Szene.
Armin Guerino thematisiert in der Galerie Rosegg/ Galerija Rozek in drastisch starken Bildern (Eitempera auf Papier und Leinwand, Farblithographien) und einer ebensolchen Skulptur das Grauen und das Schweigen der Prinzipien Ordnung, Schönheit, Sauberkeit.
Er befragt diese Begriffe nach ihrem Zweck und ihrer Wirklichkeit. Menschenfiguren, Torsi eigentlich, Gesichter, Köpfe ohne Gesichter auch, Zitate aus der Menschheitsgeschichte, der Bibel ebenso wie aus kriegerischen Zeitereignissen werden lesbar. Wenn er den menschlichen Körper in seiner irdischen Vergänglichkeit darstellt, gibt er ihm mitunter seinen geisthaften Schatten bei, nimmt altägyptische Weltsichten auf, weist auf die "ununterbrochene Lebenskraft des Ka" hin.
Armin Guerinos Entsetzen ist im selten glaubhaften Bereich des abendländischen Mitleids positioniert, er bedenkt den Leidensweg der Menschheit von den Kreuzzügen bis zum Hakenkreuz. Ohne Ironie oder Zynismen schafft der Künstler durch die Umkehrung abendländisch- bürgerlicher Grundwerte und durch die Infragestellung von systematischer Bildung - Bildwerke der Trauer, der Stille, des feierlichen Leids. Das Schweigen in seiner Kunst ist beredt, seine formalen Mittel Kunstgeschichte, die Beherrschung dieser Mittel eindrucksvoll.

Armin Guerino, Galerie Rosegg/ Galerija Rozek. Bis 28. Mai, Mi-So 11-18 Uhr.

Kleine Zeitung 17.5.1995

OASEN DER MEDITATION
Armin Guerino zeigt seine "Aggregate" in der Galerie Sikoronia in Rosegg .

Der insbesondere in Kärnten grassierenden Irrlehre, ein Künstler müsse sich um jeden Preis "ausdrücken", tritt Armin Guerino auch in seiner Ausstellung "Aggregate" in der Galerie Sikoronja in Rosegg entgegen. Das Ergebnis ist eine Oase der Meditation.

Ein Künstler, der davon Abstand nimmt, sich- oder jemand anderen oder etwas "auszudrücken", und sich damit weigert, dem hierzulande sakrosankten weil doch irgendwie "heimatverbundenen" Spätestexpressionismus zu huldigen, arbeitet zwar gegen sein unmittelbares Käuferpublikum, aber er tut recht.
Armin Guerino baut auf Verläßlicheres, als es verschwitzte Emotionen sind: Er ist einer der ganz wenigen, die zu den authentischen Errungenschaften der Moderne stehen. Seine Bilder sind von einer puristischen Prägnanz der Form, er setzt, ganz wie es der Ethik der Moderne entspricht, Farbe nicht ein, um "Gefühle" zu kolorieren, sondern um Räume und Dimensionen deutlich zu machen. Daß er damit an die edelsten Traditionen der diversen europäischen Renaissancen und Klassizismen anschließt, macht sein Werk unantastbar. Was Armin Guerino jedoch keineswegs beliebter machen wird, in einer Gegend, wo man geneigt ist, den Wirrwarr der Gefühle für Kunst zu halten. bks

Bertram Karl Steiner KTZ 27.11.1992

GESPRÄCH ÜBER DAS SCHWEIGEN

Neue Arbeiten von Armin Guerino in der Galerie Rosegg

Die vermeintliche Unvereinbarkeit des Titels "Gespräch über das Schweigen" wirkt zunächst befremdend, eröffnet jedoch bei näherer Betrachtung der Bilder vielschichtige Möglichkeiten des Zugangs. Wie ein Netz breitet sich die Aura des Schweigens über die Werke. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Als Kopfstudie - isoliert, zu einem Dialog erweitert oder thematisch verflochten. Dem Schweigen werden verschiedene Physiognomien verliehen. Die Figuren sind immer auf sich selbst gestellt, auch wenn sie in "Gesellschaft" sind. Die Raumangaben dienen der weiteren Charakterisierung innerer Befindlichkeit und Abgeschlossenheit .
Ein Kopf vor blauem Hintergrund, in einem "absoluten", von allem Wirklichen
unabhängigen Raum, wird von einem stillen, kaum wahrnehmbaren Schatten begleitet. Während der Kopf ausformuliert ist, erscheint sein Pendant abstrahiert und nur als Umriß wiedergegeben.

Ein Anklang an Vorstellungen der menschlichen Existenz im alten Ägypten wird faßbar: Zum einen der Körper in seiner Materialität, zum anderen dessen Weiterleben über den Tod hinaus. Und als weitere Komponente in der Vorstellung des Ka, der ununterbrochenen Lebenskraft, die dem Menschen von Geburt an innewohnt und auch im Tode mit ihm vereint ist. Während der Leib irdisch und der Erde verhaftet ist, gehört der Ka einer transzendenten Welt an.

Gabriele Ruff

Kunstforum Kärnten. Mai 1995/29

GUERINO
Rosegg - Immer mehr gehen seine Arbeiten auf Menschen ein. Nun zeigt er erstmals Arbeiten, die etwas "Fatales haben: zwei Ebenen, die im Kopf parallel laufen. "Gespräch über das Schweigen" nennt deshalb Armin Guerino seine sehenswerte Ausstellung in der Galerie Sikoronja in Rosegg.

Von Annemarie Fleck

Die ausdrucksstarken Figuren sind im Dialog miteinander und schweigen dennoch: Was das Gespräch ausdrückt, ist längst nicht alles. Im Hintergrund behalten die Figuren etwas zurück, das Schweigen wird beredter als das Sagen.
Die Figuren isolieren sich selbst, wenden ihren Blick nach innen. Sie ziehen sich zurück, obwohl sie nicht allein sind. Ihre innere Situation stellen formal deutlich die Rahmen dar, geometrische Umschließungen von Köpfen, die farbiger sind als diese selbst. Die Rahmen sind wie Fenster, durch die man ein wenig, aber distanziert, auf die andere Seite blicken kann.
Die Köpfe entziehen sich in eine Welt, die nichts mit der materiellen Existenz zu tun hat. Sie sind zugleich anwesend und figural erkennbar, aber ebenso in sich abwesend. Das erlaubt ihnen, nicht wirklich antworten zu müssen auf die Fragen der Welt, ihr Potential ist vorhanden, wird aber nicht wirksam. Zwischen den Ebenen gibt es Schnittstellen, und die Köpfe werfen auch Schatten oder eine Art Negativmaske, die Körper zeigen sich verwundet, abgeschnitten.
Die Arbeiten sind ein Teil der Ausstellung, die kurz vorher in der Mestna-Galerija Ljubljana gezeigt wurde, ergänzt durch zwei Lithographien.

Kärntner Kirchenzeitung 14.5.1995

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Armin Guerino vor dem Bild
„In einer anderen Welt“