Wer diesen Ausstellungsraum betritt, begegnet an allen vier Wänden Bildern, in denen Wetter- und Klimaereignisse eine zentrale Rolle spielen. Diese Anordnung ist nicht zufällig: Sie verweist auf ein Thema, das Armin Guerino seit vielen Jahren beschäftigt – die Veränderung von Landschaft durch atmosphärische Prozesse und die Frage, wie sich dadurch unser Blick auf vertraute Orte verändert.
Die Gegenwart verleiht diesem Thema eine besondere Aktualität. Die Hitzeperioden und Wetterextreme der vergangenen Jahre haben unser Verhältnis zur Landschaft verändert. Wetter wird nicht mehr nur als vorübergehender Zustand wahrgenommen. Es erscheint zunehmend als Teil größerer klimatischer Zusammenhänge. Diese Entwicklung bildet nicht den Ausgangspunkt von Guerinos Werk, sie schafft aber einen Rahmen, in dem seine Bilder gelesen werden können.
Für Armin Guerino sind Orte und Landschaften reale Zustände, während das Wetter Fiktion und flüchtig ist.
Und genau diese Flüchtigkeit kommt ins Bild.
In seiner Arbeit und Bildsprache ist das analogische Denken in Musik und Klang gegenwärtig. So lässt sich beispielsweise die Schönheit des Klangs von Regentropfen mitdenken. Der Aspekt der Schönheit ist essenziell, wo selbst in der Katastrophe das Schöne erfasst wird.
Besonders eindrücklich wird dies dort, wo Landschaft als verletzlicher Raum erscheint. Die Aktualität der extremen Wetterereignisse ist gegeben und wird zur neuen Erfahrungswirklichkeit.
Dazu ließe sich in Anlehnung an den Umweltwissenschaftler Barry Commoner sagen: „Die Natur verhandelt nicht.“, denn die Naturprozesse folgen ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten.
Zur Konzeption der Ausstellung:
Die Ausstellung gibt einen Überblick über verschiedene Werkphasen und beginnt mit Arbeiten aus seiner Studienzeit an der Akademie der bildenden Künste in Wien.
Aus dieser frühen Phase stammen Werke wie Fruchtwasserpunktion, entstanden im Zusammenhang mit der Geburt seiner Tochter.
Die frühen Werkgruppen sind mit exemplarischen Arbeiten vertreten, während der Schwerpunkt der Ausstellung auf den neuen Arbeiten liegt.
Die Ausstellung ist weder chronologisch noch streng thematisch aufgebaut. Unterschiedliche Werkgruppen stehen nebeneinander und eröffnen Verbindungen über einen langen Zeitraum hinweg.
Dabei zeigt sich, dass Armin Guerino seine künstlerische Arbeit nicht als lineare Entwicklung versteht. Bestimmte Themen tauchen immer wieder auf. Sie verändern sich, werden weitergeführt, überprüft und oft neu akzentuiert.
Deutlich zeigt sich diese Kontinuität in den Labyrinth-Bildern. Bei Guerino sind Labyrinthe komplexe und verschlungene Strukturen. Sie erschließen sich nicht auf einen Blick und sind weit mehr als nur ein formales Motiv.
Ein Beispiel dafür ist die Jakobskapelle in Bad Kleinkirchheim. Für die Friedhofskapelle hat der Künstler mit den übereinandergelegten schwarz-weißen Labyrinthfigurationen eine Bildsprache gefunden, um Diesseits und Jenseits zu verbinden. Der Mensch durchschreitet nicht nur das Labyrinth, der Mensch wird selbst zum geschlossenen Labyrinth.
Armin Guerinos künstlerisches Schaffen umfasst zwei parallel verlaufende Bereiche: der Malerei und der Kunst im öffentlichen Raum. Beide beeinflussen sich wechselseitig, können thematisch eng verzahnt sein oder Experimentierfeld für Inhalt und Formfindung.
Die Projekte im öffentlichen Raum können im kleinen Ausstellungssaal über eine Videostation betrachtet werden. Für Guerino sind diese Projekte von besonderer Bedeutung, sie erden diesen Teil seiner künstlerischen Arbeit und sind an konkrete thematische Anforderungen gebunden.
Prägend waren auch seine Studien- und Projektaufenthalte in Paris, Japan, New York und insbesondere in Ägypten, Südafrika und Senegal. Diese Reisen sind weit mehr als bloße Ortswechsel, sie beeinflussen sein künstlerisches Denken.
Er setzt sich mit der altägyptischen Kunst auseinander und den elementaren Gegensätzen der Landschaft: das Nebeneinander von Wüste und Nil-Fruchtland, von Kargheit und Überfluss.
Aus den Senegalreisen sind zwei Arbeiten in der Ausstellung zu sehen. Eine davon trägt den Titel La nuit sans fin – die endlose Nacht. Der Titel ist durchaus anekdotisch zu verstehen: Ein krähender Hahn raubte dem Künstler Nacht für Nacht den Schlaf.
Eine weitere wichtige Station ist Südafrika. Dort realisierte Armin Guerino 2010 am Rand eines Townships nahe Johannesburg das Projekt Human Rights Wall. Als großformatige Wandzeitung bedeckt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen die Außenwand des Colleges. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern schrieb er alle dreißig Artikel der Erklärung auf die Fassade der Schule – ein sichtbares Bekenntnis zu den Menschenrechten im öffentlichen Raum.
Ein ganz aktuelles Projekt ist die Ingeborg-Bachmann-Kuppel – eine begeh- und bespielbare Skulptur im öffentlichen Raum und zugleich eine Hommage an die Schriftstellerin. Die Reise der Kuppel begann 2021 am Neuen Platz in Klagenfurt. 2023 war sie am Wiener Karlsplatz zu sehen, 2025 als Teil der Europäischen Kulturhauptstadt in Nova Gorica. Derzeit steht sie vor dem Gailtalmuseum in Möderndorf bei Hermagor und kann besichtigt werden. Armin Guerino lebt und arbeitet in Wien und auf Schloss Saager.
Gabriele Ruff, Kuratorin der Ausstellung
Alpen Adria Galerie Klagenfurt: Armin Guerino – Durch die Zeit
Alpen Adria Galerie Klagenfurt: Armin Guerino – Durch die Zeit
Alpen Adria Galerie Klagenfurt: Armin Guerino – Durch die Zeit
Alpen Adria Galerie Klagenfurt: Armin Guerino – Durch die Zeit
Alpen Adria Galerie Klagenfurt: Armin Guerino – Durch die Zeit
Alpen Adria Galerie Klagenfurt: Armin Guerino – Durch die Zeit
Alpen Adria Galerie Klagenfurt: Armin Guerino – Durch die Zeit
Alpen Adria Galerie Klagenfurt: Armin Guerino – Durch die Zeit
Alpen Adria Galerie Klagenfurt: Armin Guerino – Durch die Zeit
Alpen Adria Galerie Klagenfurt: Armin Guerino – Durch die Zeit
Alpen Adria Galerie Klagenfurt: Armin Guerino – Durch die Zeit
Alpen Adria Galerie Klagenfurt: Armin Guerino – Durch die Zeit
Alpen Adria Galerie Klagenfurt: Armin Guerino – Durch die Zeit
Alpen Adria Galerie Klagenfurt: Armin Guerino – Durch die Zeit
Alpen Adria Galerie Klagenfurt: Armin Guerino – Durch die Zeit
Ausgestellte Bilder
20260626-001 | Utopos | Wien | Eitempera auf Leinwand | 140 x 190 cm | 2026
20260611-001 | Glut | Wien | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2026
20260608-002 | Sun and Sea | Wien | Eitempera auf Papier | 56 x 76cm | 2026
20260601-002 | Taltempel | Wien | Eitempera auf Leinwand | 140 x 190 cm | 2026
20260421-002 | Die andere Seite | Wien | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2026
20260421-001 | Toxisches Feld | Wien | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2026
20260325-001 | Red River | Wien | Eitempera auf Leinwand | 140 x 190 cm | 2026
20260324-001 | Konstellation | Wien | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2026
20260316-002 | Strömung | Wien | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2026
20260310-001 | Sphäre | Wien | Eitempera auf Leinwand | 80 x 100 cm | 2026
20260224-001 | Utopisches Terrain | Wien | Eitempera auf Leinwand | 80 x 100 cm | 2026
20260223-001 | Kartografie | Wien | Eitempera auf Leinwand | 80 x 100 cm | 2026
20260202-001 | Flüchtige Auflösung | Wien | Eitempera auf Leinwand | 80 x 100 cm | 2026
20260130-001 | Rotes Feld | Wien | Eitempera auf Leinwand | 80 x 100 cm | 2026
20260124-001 | Ausbreitung und Rückzug | Wien | Eitempera auf Leinwand | 80 x 100 cm | 2026
20240927-001 | Tornado II | Wien | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2024
20240914-001 | Tornado I | Wien | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2024
20231013-001 | Labyrinth-Stadt | Wien | Eitempera auf Leinwand | 80 x 90 cm | 2023
20230918-001 | Nebel | Wien | Eitempera auf Leinwand | 80 x 90 cm | 2023
20230811-001 | Inneres Feld | Saager | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2023
20230810-003 | Unversehrte Landschaft | Saager | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2023
20230714-001 | Regenberg | Saager | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2023
20211029-003 | Regen | Wien | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2021
20201202-001 | Grünes Feld | Saager | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2020
20191031-001 | Rotes Meer | Wien | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2019
20190203-001 | Horizont | Wien | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2019
20180810-003 | Oase | Saager | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2018
20180703-001 | Blauer Regen I | Saager | Eitempera auf Leinwand | 60 x 80 cm | 2018
20170420-001 | Labyrinth | Wien | Eitempera auf Leinwand | 90 x 80 cm | 2017
20170409-001 | Im Grünland | Wien | Eitempera auf Leinwand | 90 x 80 cm | 2017
20160513-001 | Kopf im Orange | Gmünd | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2016
20150906-001 | Aussicht | Saager | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2015
20150806-002 | Sommer | Saager | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2015
20150306-001 | Gelbes Feld | Wien | Eitempera auf Papier | 56 x 76 cm | 2015
20130725-003 | Zäune | Lusevera | Acryl auf Papier | 50 x 65 cm | 2013
20130722-002 | Felsrippen | Lusevera | Acryl auf Papier | 50 x 65 cm | 2013
20130603-001 | Blaugrüne Fata Morgana | Saager | Acryl auf Leinwand | 170 x 200 cm | 2013
20130412-002 | Regen | Wien | Acryl und Buntstift auf Papier | 50 x 65 cm | 2013
20121129-001 | Berg | Wien | Acryl auf Papier | 33 x 50 cm | 2012
20120312-003 | Asche | Wien | Acryl auf Papier | 50 x 65 cm | 2012
20120301-001 | Arktis | Wien | Acryl auf Papier | 50 x 65 cm | 2012
20110823-001 | Licht | Saager | Acryl auf Leinwand | 95 x 126 | 2011
20090126-001 | Rooms by the Sea.
A Tribute to Edward Hopper | Wien | Acryl auf Leinwand | 95 x 126 cm | 2009
20080209-002 | Wolke mit Regen | Wien | Acryl auf Papier | 50 x 65 cm | 2008
20080202-001 | Wolke | Wien | Acryl auf Papier | 50 x 65 cm | 2008
20071024-001 | Gedanken | Wien | Acryl auf Leinwand | 40 x 40 cm | 2007
20040916-002 | Anger | Toledo | Eitempera auf Papier | 50 x 65 cm | 2004
20040112-001 | Liegender Kopf | Eitempera auf Papier | 50 x 65 cm | 2004
20031229-001 | Kleopatras Tod | Saager | Eitempera auf Leinwand | 95 x 126 cm | 2003
20030608-001 | Doppellabyrinth | Wien | Eitempera auf Papier | 80 x 120 cm | 2003
20030607-001 | Doppellabyrinth (Liegender Kopf) | Wien | Eitempera auf Papier | 80 x 120 cm | 2003
“20020000-006 | La nuit sans fin
Der vom Schlaf durchtränkte Tag
(Senegal) | Senegal | Leimfarbe auf Baumwolle | 90 x 140 cm | 2002”
“20020000-005 | La nuit sans fin
Magie und das Meer
(Senegal) | Senegal | Leimfarbe auf Baumwolle | 90 x 140 cm | 2002”
20010000-030 | Warten auf Afrika
ursprgl: Thunderstorm | Wien | Eitempera auf Papier | 50 x 65 cm | 2001
20010000-029 | Fenster | Eitempera auf Papier | 50 x 65 cm | 2001
20010000-028 | Afrikanischer Traum | Wien | Eitempera auf Leinwand | 150 x200 cm | 2001
20010000-004 | Traum mit Maske | Wien | Eitempera auf Leinwand | 95 x 126 cm | 2001
20000000-017 | Taurus in Ägypten | Eitempera auf Papier | 50 x 65 cm | 2000
20000000-016 | Ägyptischer Einblick | Eitempera auf Leinwand | 95 x 126 cm | 2000
20000000-015 | Stier mit Kopf von Theben
Ursprünglich: Taurus in Memphis | Eitempera auf Papier | 50 x 65 cm | 2000
19990000-015 | Gespräch mit einem Taurus | Wien | Eitempera auf Papier | 50 x 65 cm | 1999
19990000-011 | Kopf | Wien | Eitempera auf Papier | 50 x 65 cm | 1999
19990000-005 | Die Gesäten | Wien | Eitempera auf Papier | 50 x 65 cm | 1999
19940000-002 | Wüste | Wien | Eitempera auf Papier | 50 x 65 cm | 1992
19940000-001 | Totem | Eitempera auf Papier | 50 x 65 cm | 1994
19850000-001 | Fruchtwasserpunktion | Wien | Öl auf Gips und Jute | 150 x 100 cm | 1985
19840000-001 | Fruchtwasserpunktion | Wien | Öl auf Gips und Jute | 150 x 100 cm | 1984
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