2026 · Ausstellung: Armin Guerino – Durch die Zeit

Armin Guerino

Durch die Zeit

Alpen-Adria-Galerie im Stadthaus Klagenfurt

Theaterplatz 3, 9020 Klagenfurt

23. September – 29. November 2026

Wer diesen Ausstellungsraum betritt, begegnet an allen vier Wänden Bildern, in denen Wetter- und Klimaereignisse eine zentrale Rolle spielen. Diese Anordnung ist nicht zufällig: Sie verweist auf ein Thema, das Armin Guerino seit vielen Jahren beschäftigt – die Veränderung von Landschaft durch atmosphärische Prozesse und die Frage, wie sich dadurch unser Blick auf vertraute Orte verändert.

Die Gegenwart verleiht diesem Thema eine besondere Aktualität. Die Hitzeperioden und Wetterextreme der vergangenen Jahre haben unser Verhältnis zur Landschaft verändert. Wetter wird nicht mehr nur als vorübergehender Zustand wahrgenommen. Es erscheint zunehmend als Teil größerer klimatischer Zusammenhänge. Diese Entwicklung bildet nicht den Ausgangspunkt von Guerinos Werk, sie schafft aber einen Rahmen, in dem seine Bilder gelesen werden können.

Für Armin Guerino sind Orte und Landschaften reale Zustände, während das Wetter Fiktion und flüchtig ist. 

Und genau diese Flüchtigkeit kommt ins Bild. 

In seiner Arbeit und Bildsprache ist das analogische Denken in Musik und Klang gegenwärtig. So lässt sich beispielsweise die Schönheit des Klangs von Regentropfen mitdenken. Der Aspekt der Schönheit ist essenziell, wo selbst in der Katastrophe das Schöne erfasst wird.

Besonders eindrücklich wird dies dort, wo Landschaft als verletzlicher Raum erscheint. Die Aktualität der extremen Wetterereignisse ist gegeben und wird zur neuen Erfahrungswirklichkeit.

Dazu ließe sich in Anlehnung an den Umweltwissenschaftler Barry Commoner sagen: „Die Natur verhandelt nicht.“, denn die Naturprozesse folgen ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten.

Zur Konzeption der Ausstellung: 

Die Ausstellung gibt einen Überblick über verschiedene Werkphasen und beginnt mit Arbeiten aus seiner Studienzeit an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 

Aus dieser frühen Phase stammen Werke wie Fruchtwasserpunktion, entstanden im Zusammenhang mit der Geburt seiner Tochter. 

Die frühen Werkgruppen sind mit exemplarischen Arbeiten vertreten, während der Schwerpunkt der Ausstellung auf den neuen Arbeiten liegt.

Die Ausstellung ist weder chronologisch noch streng thematisch aufgebaut. Unterschiedliche Werkgruppen stehen nebeneinander und eröffnen Verbindungen über einen langen Zeitraum hinweg. 

Dabei zeigt sich, dass Armin Guerino seine künstlerische Arbeit nicht als lineare Entwicklung versteht. Bestimmte Themen tauchen immer wieder auf. Sie verändern sich, werden weitergeführt, überprüft und oft neu akzentuiert. 

Deutlich zeigt sich diese Kontinuität in den Labyrinth-Bildern. Bei Guerino sind Labyrinthe komplexe und verschlungene Strukturen. Sie erschließen sich nicht auf einen Blick und sind weit mehr als nur ein formales Motiv.

Ein Beispiel dafür ist die Jakobskapelle in Bad Kleinkirchheim. Für die Friedhofskapelle hat der Künstler mit den übereinandergelegten schwarz-weißen Labyrinthfigurationen eine Bildsprache gefunden, um Diesseits und Jenseits zu verbinden. Der Mensch durchschreitet nicht nur das Labyrinth, der Mensch wird selbst zum geschlossenen Labyrinth. 

Armin Guerinos künstlerisches Schaffen umfasst zwei parallel verlaufende Bereiche: der Malerei und der Kunst im öffentlichen Raum. Beide beeinflussen sich wechselseitig, können thematisch eng verzahnt sein oder Experimentierfeld für Inhalt und Formfindung. 

Die Projekte im öffentlichen Raum können im kleinen Ausstellungssaal über eine Videostation betrachtet werden. Für Guerino sind diese Projekte von besonderer Bedeutung, sie erden diesen Teil seiner künstlerischen Arbeit und sind an konkrete thematische Anforderungen gebunden.

Prägend waren auch seine Studien- und Projektaufenthalte in Paris, Japan, New York und insbesondere in Ägypten, Südafrika und Senegal. Diese Reisen sind weit mehr als bloße Ortswechsel, sie beeinflussen sein künstlerisches Denken. 

Er setzt sich mit der altägyptischen Kunst auseinander und den elementaren Gegensätzen der Landschaft: das Nebeneinander von Wüste und Nil-Fruchtland, von Kargheit und Überfluss. 

Aus den Senegalreisen sind zwei Arbeiten in der Ausstellung zu sehen. Eine davon trägt den Titel La nuit sans fin – die endlose Nacht. Der Titel ist durchaus anekdotisch zu verstehen: Ein krähender Hahn raubte dem Künstler Nacht für Nacht den Schlaf.

Eine weitere wichtige Station ist Südafrika. Dort realisierte Armin Guerino 2010 am Rand eines Townships nahe Johannesburg das Projekt Human Rights Wall. Als großformatige Wandzeitung bedeckt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen die Außenwand des Colleges. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern schrieb er alle dreißig Artikel der Erklärung auf die Fassade der Schule – ein sichtbares Bekenntnis zu den Menschenrechten im öffentlichen Raum.

Ein ganz aktuelles Projekt ist die Ingeborg-Bachmann-Kuppel – eine begeh- und bespielbare Skulptur im öffentlichen Raum und zugleich eine Hommage an die Schriftstellerin. Die Reise der Kuppel begann 2021 am Neuen Platz in Klagenfurt. 2023 war sie am Wiener Karlsplatz zu sehen, 2025 als Teil der Europäischen Kulturhauptstadt in Nova Gorica. Derzeit steht sie vor dem Gailtalmuseum in Möderndorf bei Hermagor und kann besichtigt werden. Armin Guerino lebt und arbeitet in Wien und auf Schloss Saager.

Gabriele Ruff, Kuratorin der Ausstellung